Elbinsel: Zaun soll seltene Tiere und Pflanzen schützen | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Elbinsel: Zaun soll seltene Tiere und Pflanzen schützen

Änderungen auf der Geesthachter Elbinsel: Die Teile der Elbinsel, die zum Fauna-Flora-Habitat (FFH) zählen, werden durch eine Einzäunung abgegrenzt. Das hat die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Herzogtum Lauenburg entschieden. Die Einschätzung von Rangern des Landesamtes für Umwelt (LfU) und des Fachdienstes Umwelt der Geesthachter Stadtverwaltung wurden dazu eingeholt.

Der Zaun wird entlang des südlichen Wanderweges von der Bundesstraße 404 etwa 900 Meter flussabwärts errichtet und soll den Zugang zum FFH-Gebiet begrenzen, um die besondere Tier- und Pflanzenwelt des Gebiets zu schützen und ihre Regeneration zu fördern. Die Einzäunung dient somit den Vorgaben des FFH-Status. Der Wanderweg kann weiterhin genutzt werden.

Betreten der Elbinsel bleibt grundsätzlich gestattet

„Der Weg zum Strand wird durch das Abschneiden der bisherigen Abkürzungen weiter, bleibt aber erhalten.“
(Kreis Herzogtum Lauenburg)

„Das Betreten der Elbinsel ist Besucherinnen und Besuchern grundsätzlich gestattet, sofern dafür die ausgewiesenen Wege benutzt werden. In den vergangenen Jahren musste bei Kontrollen jedoch immer häufiger festgestellt werden, dass die ausführliche Beschilderung vor Ort nicht ausreicht um Spaziergängerinnen und Spaziergänger über die geltenden Regeln zu informieren. Offenkundig wird dies an den entstandenen Trampelfpfaden, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Biotope führen“, erklärt die Kreisverwaltung Herzogtum Lauenburg per Pressemitteilung. „Der Weg zum Strand wird durch das Abschneiden der bisherigen Abkürzungen weiter, bleibt aber erhalten.“ Die Maßnahme soll vor dem kalendarischen Beginn der Brut- und Setzzeit am 1. März abgeschlossen sein, um die diesjährige Brut der im Röhricht nistenden Vogelarten vor Störungen zu schützen und seltene Pflanzenarten, wie den Schierlings-Wasserfenchel, vor dem Zertreten zu bewahren.

Zu viele Besuchende hielten sich nicht an die Regeln

Zur weiteren Einordnung: In dem Gebiet gibt es viele seltene Tiere und Pflanzen – es gilt beispielsweise als Vogelschutzgebiet, in dem viele Arten brüten. Zeitgleich ist gerade der Uferbereich durch den direkten Zugang zur Elbe und die Strandbereiche sehr beliebt bei Einheimischen wie Gästen Geesthachts. Sobald das Wetter milder wird, besuchen den ufernahen Bereich der Elbinsel viele Personen. Zum Teil werden dort Partys gefeiert, Reste von Grillnachmittagen und weiterer Müll zeugen nach Gutwetter-Tagen von unachtsamen Besuchenden. Hunde werden teils ohne Leine laufen gelassen, was Tiere im Schutzgebiet stört. Das geschieht so, obwohl ein Betreten der ufernahen Bereiche schon jetzt – auch ohne Einzäunung - nicht gestattet ist. Entsprechende Hinweistafeln weisen Besuchende darauf hin. Diese Betretungsverbote wurden bisher jedoch leider oft missachtet. Trampelpfade durch den Röhricht und den Auwald entstanden, große Bereiche des Röhrichts wurden niedergestrampelt. Hinzu kamen Baumfällungen für Lagerfeuer und Müllablagerungen. Der für den Rückzug und Brutgeschäft der Wasservögel wichtige Röhrichtbestand sowie der angrenzende Auwald hat in den letzten Jahren großen Schaden genommen.

Teile der Elbinsel sind landesweit bedeutsames Schutzgebiet

Der Binnendünenzug der „Besenhorster Sandberge“ gehört mit den südlich angrenzenden Elbwiesen und dem westlichen Teil der Elbinsel zu einem landesweit bedeutsamen Schutzgebietskomplex der Elbeniederung an der Grenze zu Hamburg. Wegen des Vorkommens vieler seltener Pflanzen- und Tierarten steht das auf schleswig-holsteinischer Seite 250 ha große Gebiet auch unter europäischen Schutz. Mit „NATURA 2000“ wird ein ökologisches Netz besonderer europäischer Schutzgebiete bezeichnet. Das Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensräume und der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. „NATURA 2000“ basiert auf der von der Europäischen Union verabschiedeten Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie. Das FFH-Gebiet schließt des Naturschutzgebiet und die westliche Schleuseninsel ein.

Seltene Pflanzen: Schierlings-Wasserfenchel wächst am tidebeeinflussten Elbufer

Die Elbinsel ist keine natürliche Insel. Sie entstand erst 1959 durch den Bau des Schleusenkanals, der nun das Vorland der Sandberge durchschneidet. Auch heute noch sind an der Westspitze der Insel flachen Dünen und dazwischen liegende Flutmulden zu erkennen. Am errichteten Stauwehr endet seitdem der Einfluss der Nordsee. Der östliche Teil gehört bereits zur Mittelelbeniederung, die sich bis Wittenberge in Sachsenn-Anhalt erstreckt. Die Insel befindet sich somit in einem Übergangsbereich, in dem gleichzeitig zwei unterschiedliche Pflanzengesellschaften aufeinander treffen. Es sind

  • Arten des von der Tide der Nordsee beeinflussten Unterelberaumes und

  • wärmebedürftige Elbstromtalwanderer, die sich entlang des Oberlaufs der Elbe ausbreiten.

Auf dem sandig-schluffigen Boden der wechselnassen Ufer wachsen dichte Staudenfluren aus Langblättrigen Ehrenpreis, Sumpf-Wolfsmilch, Gelber Wiesenraute, Schlangen-Lauch und Fluss-Geisskraut. Der heimische Schnittlauch hat hier einen der wenigen Standorte im Lande. Das gilt auch für den weltweit nur an den tidebeeinflussten Ufern der Elbe vorkommenden Schierlings-Wasserfenchel. Auf der Elbinsel siedelt er im Süden in den Buhnenfeldern und den uferparallelen Flutmulden mit offenen Schlammbänken.

Durch Hochwässer bilden sich neue Sandflächen und Priele

Unbedeichte Flächen, die dem vollen Einfluss des Gewässers, mit Überflutungen, Sandumlagerungen und der damit verbundenen Verbreitung von Arten unterliegen, gibt es auch entlang der Elbe nur noch wenige. Der regelmäßig überflutete und der Tide ausgesetzte Südrand der Insel wird von einem schmale Silberweidenauwald eingenommen. Je nach Mächtigkeit der Hochwässer, die das Gebiet zu jeder Jahreszeit erreichen können, bilden sich neue Sandflächen auf der Insel, Priele im Uferbereich entstehen neu oder werden zugeschüttet. So entstehen manchmal auch nur für wenige Jahre neue Standorte für Pflanzen und Tiere.