Die Stadt Geesthacht lehnt die Kürzungen beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die der Kreis Herzogtum Lauenburg angekündigt hat, ab. Politik und Verwaltung waren sich in der Sitzung des Ausschusses für Stadt- und Verkehrsplanung (8. September 2026) einig: „Die geplanten Maßnahmen haben für unsere Kommune gravierende und weitreichende Folgen, die sowohl die Lebensqualität der Bürger:innen als auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Geesthachts nachhaltig beeinträchtigen werden“, heißt es in der Stellungnahme, die die Stadtverwaltung formuliert und hinter die sich die Stadtpolitik per Beschluss gestellt hat. Und Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze ergänzt: „Wir brauchen einen starken ÖPNV. Einschnitte beim Busverkehr bedeuten Rückschritte für die Menschen, die hier leben, für die Entwicklung unserer Stadt und den Ausbau klimafreundlicher Mobilität, den wir uns als Ziel gesetzt haben.“
Zur Einordnung: Die Stadt Geesthacht war vom Kreis aufgefordert worden, sich bis zum 14. September 2026 zu dem Beschluss des Ausschusses für Regionalentwicklung und Mobilität des Kreises vom 24. August 2026 zu äußern. Dieser enthält unter anderem die Reduzierung oder vollständige Einstellung der innerstädtischen Busverbindungen an Samstagen und Sonntagen sowie Kürzungen bei den Buslinien, die Geesthacht an andere Kommunen des Kreises Herzogtum Lauenburg anbindet.
Ein Blick aufs Detail: Der Kreis Herzogtum Lauenburg plant zum nächsten Fahrplanwechsel der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), der zum Dezember 2026 greift, folgende Veränderungen im ÖPNV-Angebot, die die Stadt Geesthacht betreffen (in Auszügen):
Linie X80 (Lauenburg – Geesthacht – Bergedorf – Billstedt – Hamburg City):
Taktreduzierung in der morgendlichen Hauptverkehrszeit Richtung Hamburg • Taktverdichtung in der Nachmittags-Hauptverkehrszeit auf einen 20-Minuten-Takt in Richtung Geesthacht
Linie X82 (Geesthacht Oberstadt – Geesthacht – Bergedorf):
Reduzierung auf eine Linie, die morgens eine schnelle Verbindung aus der Oberstadt nach HH-Bergedorf herstellt sowie von Hamburg-Bergedorf zum Helmholtz-Zentrum (nachmittags umgekehrt)
Ausgliederung des Grundangebots der Linie X82 in die 8800
„Die Xpress Linien sind ehemals mit 11 Bussen pro Stunde Richtung Hamburg gefahren, also fast im Fünf-Minuten-Takt, und waren teilweise trotzdem überfüllt. Künftig sollen nur noch neun Busse fahren. Das ist eine recht empfindliche Verringerung, da ein auch nur etwas gefüllter Bus dazu führt, dass die Leute stehen müssen und das die Fahrgeschwindigkeit reduziert werden muss. Praktisch heißt das, dass die Busse über die Autobahn nunmehr 60km/h fahren statt 100km/h“, erklärt Geesthachts Mobilitätsmanager Nico Bendschneider.
Linie 139 (Tesperhude – Geesthacht ZOB – Am Spakenberg):
Führung in beide Richtungen über Krümmel; die Anbindung des Friedhofs und der Jugendherberge erfolgt über die X80 • Taktergänzung zur Linie 8800 im Abschnitt Geesthacht-Tesperhude
Linie 339 (Edmunsthal – Geesthacht ZOB – Oberstadt):
Taktergänzung mit der Linie 8800 zwischen ZOB und Oberstadt mit der Linie 8800
Linie 439 (Borghorst – Heuweg – Geesthacht ZOB):
Verlängerung der Taktverdichtungsfahrten Mo-Fr ab/bis Heuweg nach und von Geesthacht, Vierlander Straße (Kehre)
Linie 539 (Niedermarschacht – Gewerbegebiet – Geesthacht ZOB):
Verkürzung der Taktverdichtungsfahrten zum 30-Minuten-Takt sowie des Betriebs an Sonntagen von und nach Geesthacht, Hermsdorfer Straße statt Geesthacht, Vierlander Straße (Kehre)
Die Anbindung der Schleuse und der Vierlander Straße übernehmen die verlängerten Fahrten der Linie 439
Linie 8800 (Lauenburg – Geesthacht – Bergedorf):
Übernahme der Grundbedienung in die Oberstadt von der X82
Abgabe des Astes zum Helmholtz-Zentrum an die X82
Verlängerung von Lauenburg, ZOB nach Bahnhof Lauenburg zur Schaffung einer umsteigefreien Verbindung nach Geesthacht
Einrichtung eines 20-Minuten-Takts zwischen Bahnhof Bergedorf und Tesperhude in Lastrichtung in den HVZ
Linien 8820 (Reinbek – Aumühle – Dassendorf – Geesthacht) und 8870 (Geesthacht – Schwarzenbek)
Reduzierung der letzten Fahrten am Wochenende
„Vor allem diese Abendfahrten am Wochenende sind und für die Freizeitmobilität von einer besonderen Wichtigkeit“, erklärt Geesthachts Mobilitätsmanager Nico Bendschneider.
Übergreifend:
Verschiebung des Geesthachter Rendezvous (Umstiege am ZOB) auf Minute 18 und 48 sowie Ausgliederung der 439 und 539 aus dem Rendezvous aus Platzgründen am Geesthachter ZOB
Insgesamt plant der Kreis angesichts schwieriger Haushaltslage kreisweit beim ÖPNV 800.000 Euro einzusparen. Die Änderungen sollen mit den betroffenen Kommunen abgestimmt werden – und die Stadt Geesthacht formuliert in ihrer Stellungnahme an den Kreis eine klare Haltung zu den Kürzungen. „Allgemein wären die sozialen und verkehrlichen Folgen der geplanten Kürzungen gravierend“, heißt es in dem Papier, das über das auf der Website der Stadt hinterlegte Bürgerinformationssystem öffentlich einsehbar ist.
Geesthachts Stadtpolitik und Stadtverwaltung befürchten unter anderem, dass nahezu alle Altersgruppen in ihrer Mobilität eingeschränkt würden, der Individualverkehr und die Emissionen steigen würden. „Der Verkehr in Geesthacht ist bereits jetzt zu Stoßzeiten angespannt. Weniger Busse werden zu mehr Autos auf den Straßen führen, was die Verkehrssituation weiter verschärfen wird. Zudem haben erwachsene Menschen ohne Führerschein oder Auto keine Möglichkeit, Geesthacht zu verlassen. (…) Als Stadt ohne Bahnanbindung kommt dem ÖPNV in Geesthacht eine besondere Bedeutung zu. Für viele Menschen ist der Bus das einzige Verkehrsmittel, das ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Besonders betroffen von den geplanten Kürzungen wären ältere Menschen, die auf Busverbindungen für Arztbesuche, Einkäufe und soziale Kontakte angewiesen sind, Jugendliche, die ohne eigenes Auto auf den ÖPNV für Ausbildung, Freizeitaktivitäten und Mobilität angewiesen sind, sowie Haushalte ohne Auto, für die der Bus die einzige Möglichkeit darstellt, sich innerhalb und außerhalb der Stadt zu bewegen. Die Streichung von Wochenendverbindungen wird diese Gruppen unverhältnismäßig hart treffen und ihre Selbstständigkeit massiv einschränken“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt Geesthacht. Und: „Ein attraktiver und zuverlässiger ÖPNV ist zudem ein zentraler Standortfaktor für Geesthacht. Er sichert nicht nur die Lebensqualität der Bürger:innen, sondern ist auch entscheidend für die Wirtschaft und das Gewerbe, die auf eine gute Erreichbarkeit für Mitarbeiter:innen und Kund:innen angewiesen sind. Auch der Tourismus wird unter den Kürzungen leiden, da viele Gäste ohne eigenes Auto anreisen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.“