Postkartenaktion: Was Kinder und Jugendliche wollen - Rathaus erhält 1758 Rückmeldungen | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Postkartenaktion: Was Kinder und Jugendliche wollen - Rathaus erhält 1758 Rückmeldungen

„Deine Stadt, deine Stimme – sag uns, was dir wichtig ist!“ - eine Frage, 1.758 Antworten. Im Sommer 2025 startete die Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung der Geesthachter Stadtverwaltung ihre Postkartenaktion für Kinder und Jugendliche – und die Resonanz hat alle Erwartungen übertroffen. Das Rathaus erreichten 1.758 Rückmeldungen von jungen Menschen zwischen drei und 21 Jahren mit Wünschen, Kritik, Ideen, Zeichnungen und ganz persönlichen Blicken auf Geesthacht. Die Auswertung der Aktion wurde jetzt öffentlich im Sozialausschuss vorgestellt und ist nachzulesen im Bericht zur Postkartenaktion, der auf der Website der Stadt Geesthacht (https://www.geesthacht.de) hinterlegt und zusammengefasst als Broschüre unter anderem in den Jugendhäusern, im Rathaus und an der Schillerstraße 7 (Büro Stadtjugendpflege) ausgelegt ist. Wer zum Beispiel wissen möchte, wie ein Einkaufszentrum aussehen könnte, das von jungen Menschen gestaltet würde, könnte einen Blick in den Bericht werfen. Er ist nach Altersgruppen und Themengebiete untergliedert, sodass jeder und jede die Möglichkeit hat, den Bericht nach Interessen durchzulesen.

„Mit so einer großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Die Auswertung der vielen Stimmen war eine umfangreiche Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch genommen hat. Gleichzeitig war sie immer wieder spannend, überraschend und an manchen Stellen auch zum Schmunzeln. Die Rückmeldungen zeigen, wie vielfältig junge Menschen ihre Stadt wahrnehmen: Was für die einen ein Lieblingsort ist, gefällt anderen überhaupt nicht. Manche Wünsche sind sehr konkret, andere groß gedacht, kreativ oder auf den ersten Blick kaum umsetzbar. Gemeinsam geben sie jedoch einen wertvollen Einblick in die Lebenswelten junger Menschen in Geesthacht“, erklärt Josefine Dettmer von der Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung der Geesthachter Stadtverwaltung, die zudem einordnet: Die Auswertung der Aktion verstehe sich nicht als abschließende Wunschliste und auch nicht als Versprechen, dass jede genannte Idee umgesetzt werden könne. „Vielmehr soll der Bericht eine Grundlage für Gespräche, weitere Beteiligungsprozesse und konkrete Entwicklungen schaffen. Die Ergebnisse richten sich deshalb an Verwaltung und Politik ebenso wie an Schulen, Kitas, Fachkräfte und alle weiteren Menschen, die das Leben junger Menschen in Geesthacht mitgestalten“, ordnet Josefine Dettmer ein.

Mitgemacht haben bei der Aktion Kinder und Jugendliche aus 9 Kitas (158 Rückmeldungen), 4 Grundschulen (791 Rückmeldungen), 3 weiterführenden Schulen (756 Rückmeldungen). Hinzu kommen 53 Rückmeldungen, die über ein Online-Formular bei der Stadtverwaltung eingegangen sind. Je nach Altersgruppe wurden die Postkarten von Seiten der Stadtverwaltung unterschiedlich gestaltet, um allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an der Aktion zu ermöglichen. Kita-Kinder erhielten beispielsweise eine einfach gestaltete Postkarte mit der Leitfrage „So sehe ich Geesthacht…“ und viel Platz zum Malen. Grundschulkinder bekamen eine Postkarte mit Platz zum Malen und zum Schreiben eines kurzen Textes zu „Meine Ideen für Geesthacht“ und ältere Kinder sowie Jugendliche (ab 10 Jahren) durften eine Postkarte mit den offenen Fragen „Was gefällt dir? Was nervt dich? Was fehlt dir?...“ beantworten.

„Die Wünsche der Kinder sind häufig sehr konkret und nah an ihrem Alltag. Gleichzeitig zeigen einzelne Aussagen, dass auch jüngere Kinder ihre Umwelt aufmerksam wahrnehmen“ (Josefine Dettmer, Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung)

„Besonders häufig genannt wurden Themen aus den Bereichen Freizeit, Mobilität und öffentlicher Raum. Die Elbe, die Innenstadt und Natur- und Grünflächen werden von vielen positiv wahrgenommen. Gleichzeitig gibt es deutliche Wünsche nach besseren Mobilitätsangeboten, mehr Freizeitmöglichkeiten, attraktiveren öffentlichen Räumen und einer sauberen Stadt“, fasst Josefine Dettmer zusammen. Beispielhaft die Kita-Kinder herausgegriffen: Unter „das gefällt mir“ malten sie am häufigsten das Freibad, die Spielplätze und die Elbe. In die Kategorie „gefällt ihnen nicht“ fallen Baustellen und Müll. Laut Postkartenaktion wünschen sich Geesthachter Kita-Kinder ein Hallenbad und ein öffentliches Fußballfeld, einen Spielplatz bei der Elbe und mehr Rutschen. „Freizeit, Spiel und die unmittelbare Umgebung prägen die Rückmeldungen der jüngsten Geesthachterinnen und Geesthachter besonders stark. (…) Die Wünsche der Kinder sind häufig sehr konkret und nah an ihrem Alltag. Gleichzeitig zeigen einzelne Aussagen, dass auch jüngere Kinder ihre Umwelt aufmerksam wahrnehmen. Müll auf den Straßen, Baustellen oder der Umgang mit der Natur werden ebenso thematisiert wie Orte, an denen sie sich gerne aufhalten“, heißt es zusammenfassend in dem Bericht zur Postkartenaktion, wobei Josefine Dettmer betont: „Die Postkarten zeigen nicht, was ‚die Jugend‘ will, denn ‚die Jugend‘ gibt es ebenso wenig wie ‚die Erwachsenen‘. Aber sie zeigen, wie vielfältig junge Menschen Geesthacht erleben und wo sie ihre Stadt mitgestalten möchten. Je nach Alter und persönlicher Lebenssituation unterscheiden sich die Wahrnehmungen und Wünsche teilweise deutlich. Genau diese Vielfalt macht die Ergebnisse zu einer wichtigen Grundlage für die weitere Kinder- und Jugendbeteiligung in Geesthacht.“

Sven Dräger, Leiter des Fachdienstes Jugend, Sport und Kultur, ordnet zudem ein: Auch wenn einige der formulierten Wünsche und Ideen in Geesthacht leider nicht realisierbar seien, würde durch die Aktion die Stimmung der Kinder und Jugendlichen in der Stadt eingefangen. „Und das sind für uns ganz wichtige Hinweise. Denn als Verwaltung wollen wir ja im besten Fall Dinge umsetzen, die den Bedürfnissen der Einwohnerinnen und Einwohner entsprechen. Darum ist es so wichtig, dass wir miteinander reden“, sagt Sven Dräger, der auch Beispiele nennt, wo formulierte Wünsche und Verwaltungshandeln bereits zusammenpassen: Der Müllproblematik begegne die Stadt bereits unter anderem mit regelmäßigen Kontrollgängen sowie Aktionen wie „Sauberhaftes Geesthacht“. „Wir freuen uns selbstverständlich über Trittbrettfahrerprojekte von anderen Institutionen, durch die Geesthacht noch sauberer würde. Und der Wunsch von den Jüngsten nach öffentlichen Sportanlagen wird sicherlich Einfluss in die Nutzungsvoraussetzungen der zu sanierenden Zentralen Sportanlage finden. Dabei ist ein gesundes Maß zwischen Vandalismusschutz und öffentlicher Teilhabe zu finden.“

„Besonders eindrucksvoll waren auch die Rückmeldungen zu Erfahrungen und Empfindungen im öffentlichen Raum“, sagt Josefine Dettmer. So sei unter anderem der Wunsch nach mehr Respekt gegenüber Kindern und Jugendlichen geäußert worden. Josefine Dettmer: „Das hat mich besonders beschäftigt, denn Respekt ist ein Thema, das häufig auch von Erwachsenen im Umgang mit jungen Menschen eingefordert wird. Umso wichtiger finde ich den Gedanken: Respekt ist keine Einbahnstraße.“

Weitere Stimmen aus dem Bericht

  • „Ich finde Geesthacht sehr schön, weil es ist wie eine Kleinstadt, nicht zu groß nicht zu klein!“

  • „In Geesthacht wird viel nur von Erwachsenen entschieden! Es gibt viele motivierte Jugendliche doch kaum Möglichkeiten, sich einzubringen.“

  • „Und dass sich die Stadt für den Schutz von (Meeres-)Tieren einsetzt, die in Gefangenschaft leben. Oder dass man dazu mehr Organisationen gründet, wo Jugendliche sich beteiligen.“

  • „Ich finde Geesthacht eigentlich ganz okay. Es ist zwar klein, aber ich bin glücklich, dass ich nicht auf der Straße wohne.“

  • „Mir fehlt die Menschlichkeit.“

  • „Mehr Jugendangebote […] aber vor allem mit Fokus Gemeinschaft … um mehr zusammenzubringen und jungen Zusammenhalt zu fördern.“

  • „Ich wünsche mir, dass auf Kinder mehr geachtet wird.“

  • „Ich mag es nicht, wenn die Eltern vor der Schule parken, dann kommt man nicht durch, weil es zu voll ist.“

  • „Plätze, wo Jugendliche sein können, ohne dass man weggeschickt wird“

  • „Orte, wo man Zeit verbringen kann, ohne Geld auszugeben“

  • „Mich nervt das leblose und zu wenig soziale Stadtleben.“

  • „Ich sammel immer Müll ein, wenn ich welchen sehe, das wäre auch toll von anderen“

Zur Einordnung: Die Postkartenaktion war die erste Beteiligungsaktion der Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung, die im April 2025 neu geschaffen wurde. Der Grundgedanke des Projektes war es, Bedarfe, Wünsche, Ideen und Kritik erst zu sammeln, um darauf aufbauend zukünftige Beteiligungsformate bedarfsgerecht gestalten zu können. „Wir wollten herausfinden, was junge Menschen in Geesthacht tatsächlich bewegt“, erklärt Josefine Dettmer. „Die Postkartenaktion war eine einfache Möglichkeit, jungen Menschen unabhängig von Alter, Schule oder persönlichem Hintergrund Raum für ihre Sicht auf Geesthacht zu geben. Gerade auch die Einbeziehung der Kita-Kinder war mir wichtig, weil Beteiligung nicht an ein bestimmtes Alter gebunden ist, sondern so früh wie möglich beginnen sollte. So lernen auch schon die Jüngsten, dass ihre Stimme wichtig ist, und wie demokratische Prozesse funktionieren. Danke an alle Kinder und Jugendlichen, die teilgenommen haben, und natürlich auch an die Kitas, Schulen und Eltern, die diesen Rücklauf überhaupt erst ermöglicht haben.“